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Archiv für Juli 2011

Während wir gerade noch einmal mit Sense und Lupe durch das Manuskript für den neuen Patati&Spijker-Krimi gehen, den wir in zwei Teilen am 1.8. und 8.8. abliefern müssen, kündigt sich schon die nächste Story an.
Zur Criminale 2012, die im Hochsauerland stattfindet, erhielt ich die ehrenvolle Einladung, einen Kurzkrimi für die offizielle Krimi-Anthologie zu schreiben.
Heute dann erfuhr ich endlich auch, in welchem Ort ich denn die Kriminalitätsrate nach oben treiben darf: Bad Berleburg, ich komme!
Besser konnte ich es nicht treffen. Denn seit 2003 schreibe ich immer wieder “kriminelle Kurbadgrotesken” für mein Langzeitbuchprojekt, das den – vom großen Horváth entlehnten und dabei unangemessen travestierten – Untertitel “Geschichten aus dem Wellnessland” tragen soll.
Bei der Recherche zu Ortskrimis gewinnt ja das Wort “Motivsuche” stets auf’s Neue eine schöne Doppelbedeutung. Ich bin mächtig gespannt, was den Auslöser für die Bad-Berleburg-Geschichte aktivieren wird: Das Schloss? Die Wisente mit Migrationshintergrund? Der “Übergangstheoretiker” (Wikipedia) und Volkssouveränitätsverfechter Johannes Althusius? – ach, so eine fremde Stadt ist ein Füllhorn der Möglichkeiten. Jetzt erst einmal hinfahren und dann Augen und Ohren auf!

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Eine schöne Radioreihe hat Krimi-Expertin Renate Naber für die Sendung “LebensArt” auf  WDR 5 produziert. In (bisher) vier Teilen stellte sie in “Mord vor Ort” für den Urlaub in England, Island, Spanien und den Niederlanden passende Krimis als ideale Reiselektüre vor.
Vor anderthalb Wochen empfahl sie nun unseren Roman “Das Lügenarchiv”  als Reiseführer für Amsterdam. Das Besondere für mich persönlich: Ein ziemlich guter Sprecher las einige kleinere Ausschnitte aus dem Krimi vor und verschaffte mir so eine sehr ungewöhnliche Hörerfahrung, nachdem wir doch genau diese Passagen schon gut dreißigmal auf Lesungen selbst vorgetragen hatten. Mit einem Mal erschien der Text mir ganz fremd. Und aus diesem Abstand heraus dachte ich unvermittelt: Wow, klingt echt spannend! – Um dann sogleich etwas beschämt zu begreifen, dass ich uns gerade selbst ganz toll fand…
Na, jedenfalls freuen wir uns sehr darüber und können uns auch verdammt gut vorstellen, dass Touristen mit unserem Buch unterm Arm durch Amsterdam laufen, das wundervolle altamsterdamsche Jordaan-Viertel besuchen, einen Blick in den Coffeeshop “Paradox” werfen, in dem Robert Patati aus seiner Schockstarre nach dem Mord an seinem alten Freund erwacht, im “Bimhuis” am Ij ein Jazzkonzert erleben und im “Uitkijk“, dem wohl ältesten Kinos Amsterdams, einen Film sehen oder auf Java-Eiland die Gracht mit den neumodischen Designerhäusern besichtigen, in der im Buch der schöne alte Jaguar E-Type per Granatwerfer in die Luft gejagt wird.
Wenn ich es mir so recht überlege, es ist dringend an der Zeit, mal wieder selbst dorthin zu fahren…

In diesem Podcast der kompletten LebensArt-Sendung vom 14. Juli kann man Renate Nabers Beitrag nachhören (ab 5:30 min beginnt er).

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Meine aktuelle Lieblingssuchanfrage, die in dieser Woche einen Gast auf unsere Seite geleitet hat, lautet: “parken ohne parkschein in maastricht”

Lieber Gast, ich sag es, wie es ist: NICHT tun!

Läppische fünf (!) Minuten ließ ich vor einigen Monaten mein armes kleines Auto in einer Seitenstraße allein, um den Tatort für einen veritablen millionenschweren Gemälderaub zu recherchieren. FÜNF Minuten.
Glücklich über einen miesen, unbefestigten Parkplatz, auf dem sich prima ein Van ausrauben lässt, kehrte ich zurück. Unterwegs war freundlich lächelnd ein Beobachter des ruhenden Verkehrs auf einem Scooter an mir vorübergeeilt wie dereinst Hermes (gleichwohl mich schon stutzig machte, dass er keine Schwingen an seinem Helm trug).
Doch war es keineswegs dieser eifrige Schutzgott der Reisenden, sondern ein Söldner des kommunalen Mammons! Seine fieseste Waffe fand ich an der Scheibe meines ungewaschenen Kleinwagens angepappt wie ein Stück Plastiksprengstoff: einen Zettel.
Seitdem weiß ich: “parken ohne parkschein in maastricht” kostet 50 Euro plus Bearbeitungsgebühr.
Und bloß schön zahlen: Sonst kommt beim nächsten Mal ein Nachgeborener der Gorgonen. Der wird Dein schönes Auto zwar nicht mit einem Blick zu Stein verwandeln, aber immerhin mit einer gemeinen Parkkralle stillstellen.

So, das sollte mal gesagt sein, falls noch mal jemand mit dieser drängenden Frage unterwegs ist.

Mit freundlichen Grüßen
Der Informationshoeps

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Eine bemerkenswerte junge Künstlerin ist derzeit zu Gast in Mönchengladbach. Die Amsterdamer Künstlerin Sarah van Sonsbeeck ist die 20. Atelierstipendiatin der Stadt und zu den schönsten Aufgaben “meines” Kulturbüros zählt die Betreuung dieses Stipendiums.
Heute, nach knapp sechs Monaten Aufenthalt, wurde Sarahs Ausstellung “Things to do in Mönchengladbach” mitsamt Künstlerbuch im Museum Abteiberg präsentiert. Stille ist ihr Thema: die Abwesenheit von Stille und die Erzeugung von Stille.
Die Urszene für sie war dabei die akustische Begegnung mit ihren Nachbarn in Amsterdam. Die waren nämlich alles andere als still. Irgendwann analysierte Sarah van Sonsbeeck, wo überall der Lärm ihr Appartement besetzte, und sie musste erkennen: 80 % ihres scheinbar privaten Raums gehörten ihr gar nicht. Also schrieb sie einen Brief, in dem sie ihre Nachbarn bat, künftig auch 80 % ihrer Miete zu bezahlen. Erstaunlicherweise ignorierten die ihre freundliche Aufforderung.
Wohl die bisher sowohl ästhetisch schönste, als auch konzeptionell beeindruckendste Arbeit Sarahs heißt “One cubic meter of broken silence“:

An einem der stillsten Orte der Niederlande, in Almere bei Amsterdam, stellte sie diesen Kubus auf, dessen Glaswände exakt 40 Dezibel abdämmten – was der Lautstärke der Insekten in der Umgebung entsprach. Nachts zerstörten irgendwelche Terrortypen den Kubus mit einem Backstein – ein Trauerspiel und ein großartiges Geschenk des Zufalls. Denn erst jetzt war die Arbeit perfekt (es brauchte allerdings eine kleine Zeit, bis Sarah das nach der Enttäuschung über den vandalistischen Akt erkennen konnte). Erst dadurch, dass der Akt der Zerstörung der Stille im Material aufgehoben bleibt, wird die plötzliche, fast schockartige Wiederkehr der Stille nach dem Lärm dauerhaft für den Betrachter erfahrbar.
Ebenfalls eine schöne Arbeit, die in Mönchengladbach entstand, ist das “Faraday tent” – ein Zelt aus strahlungsabweisendem Material, das nun auf einer Rasenfläche vor dem Museum Abteiberg aufgestellt ist. “Wir haben ein Grundrecht auf Stille”, erklärt Sarah und wer dieses Zelt betritt, dem wird Datenstille gewährt. Das Handy hat keinen Empfang mehr und auch vom Internet ist man natürlich abgeschnitten. Kann man auch einfacher haben, indem man abschaltet? Klar! Und doch zischen weiter die Funkstrahlen um einen herum und der Anspruch jederzeit überall sofort erreichbar zu sein, quengelt im Kopf: Log dich ein! Log dich ein! Log dich endlich wieder ein! Am liebsten hätte Sarah van Sonsbeeck, dass man das Zelt künftig im Baumarkt kaufen kann. Things happen, you know. Robert Patati, der ehemalige Restaurator des Museums Abteiberg und eine der beiden Hauptfiguren unserer Romane (man sollte es vermutlich umgekehrt sagen, aber er ist einfach so quicklebendig) hätte jedenfalls seinen Spaß daran.
Ich bin sicher, wir werden noch viel von Sarah van Sonsbeeck – nein, nicht: hören – sondern sehen. Ab August arbeitet sie in Istanbul – von ihrem ganz still gelegenen Atelier in Mönchengladbach geht es also mitten hinein in eine ohrenbetäubend tumultuarische Metropole. Ich freue mich schon jetzt auf die Arbeiten, die sie von dort mitbringen wird.

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