Und sie brachten mir die Asche des Prinzen zur Criminale 2012

Zurück von der Criminale 2012, die diesmal im Sauerland stattfand. Mal wieder über alle Verhältnisse gelebt und geschwatzt und dementsprechend viel zu wenig Schlaf gehabt. Aber was gibt es an wirklichen Neuigkeiten zu berichten vom größten deutschsprachigen Krimifestival, vor und hinter den Kulissen? Dazu mehr in meiner kleinen, ganz persönlichen Rückschau mit Lieferung in 2 Teilen.

Teil 1:
A. Vorurteile gegenüber Kegeltouren scheinen einen wahren (Latex-)Kern zu haben.

B. Ich bekam nicht die Asche der Königin, aber immerhin die des Prinzen.

Teil 2:
C. Kollegen reißen sich das Herz raus für „Ja – zum Urheberrecht“

D. Eine Liste der gepriesenen bzw. zu preisenden Krimi-KollegInnen
E. Ein paar fotografische Olsberg-Impressionen


Also A.
Kaum spätabends im Sauerland angekommen und in die Kellerbar des ansonsten zu den bevorzugten Destinationen deutscher Kegelclubs gehörenden Criminale-Hotels hinabgestiegen, erreichte mich der Hinweis, ich solle in der Herrentoilette ja nicht versäumen, einen Blick auf den Automaten zu werfen: Mini-Sextoys für verbraucherfreundliche 5 Euro – bei den Damen war das gleiche Zeug kurioserweise noch mal einen Euro billiger – bzw. wäre gewesen. Denn ein gewisser kindlicher Spieltrieb und die Faszination an den Ritualen kurzurlaubender KugelsportlerInnen hatte offenbar in den früher angereisten KollegInnen so sehr gewütet, dass schon alles ausverkauft war.
Abgebaut zugunsten eines dritten (!) Spiegels hatte man auf dem Damen-WC allerdings einen großen Automaten, der, wie mir eine Kollegin berichtete, noch im Sommer während ihrer Vorbesichtigung des 4-Sterne-Hotels diverse Dessousartikel zum kleinen Preis feilgeboten hatte. Sonntags nach der Abreise der Clubs, so das Personal, hole man die gebrauchte Wäsche dann in großen Mengen aus den Papierkörben der Zimmer. Selbst mittels ausgeklügelter Fragetechnik gelang es mir indes nicht, herauszubekommen, ob die benutzten Stringtangas & Cos(ys) mit Zwischenstop Hotelwäscherei wieder im eigenen Automaten landeten oder gar mit erheblicher Gewinnmarge ungewaschen nach Japan verschifft wurden, wo es bekanntlich Automaten für solcherlei Fetisch geben soll.
Auch schön: Normalerweise würde man den BesucherInnen der Hoteldisko ein Schild mit ihrer Zimmernummer auf den Rücken heften. Eine kluge Idee, um sich den ganzen Ärger mit den vielen Nachfragenden an der Rezeption zu ersparen.
All dessen eingedenk verwundert es kaum, dass die durstigen und lautstarken KrimiautorInnen-Horden, die sich um die Theke der Bar scharten, vielleicht sogar erstmals in der Geschichte der Criminale vom Personal als „außerordentlich angenehme Gäste“ mit leichter Wehmut verabschiedet wurden. Kein Aufatmen nirgends.

Also B. Es gibt Menschen und Erlebnisse auf Lesungen, die rühren Autoren sehr an. Dazu gehören zum Beispiel Buchhändler und Veranstalter, die sich richtig viel Mühe geben, einen schönen Abend zu gestalten. Hubertus Waterhues von Bücher Beckmann in Werne ist so einer, und darum hatte er Ende März rund um unseren Leseplatz eine Ausstellung großformatiger Magritte-Poster aufgebaut.
Bei der Criminale-Lesung in Bad Berleburg war es dann Monika Brandl von der Buchhandlung MankelMuth. Wie hier schon andernorts erzählt, lautet der Titel meiner Criminale-Shortstory für Bad Berleburg „Bring mir dir Asche der dänischen Königin“. Angeblich kann man aus der nämlich die Zukunft des jungen prinzesslichen Paars lesen, das da im Juni auf dem Schloss zu Berleburg heiratet(e). Und was macht die buchbeseelte Frau Brandl? Beschafft sich vom Dekoladen um die Ecke eine königliche Statuette, während ihre Mitarbeiterin die Zigaretten immerhin des dänischen Prinzen besorgt und sich als Nichtraucherin opfert, die nötige Asche zu produzieren. Das war großartig! Besten Dank!
Dank auch an die Kolleginnen Sabina Naber und Melanie Lahmer, mit denen zusammen ich lesen durfte. Es war ein großes Vergnügen!

C, D und E gibt’s dann morgen im 2. Teil meiner kleinen Criminale-Rückschau. Bis dahin: Schönen Tanz in den Mai!

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3 Gedanken zu „Und sie brachten mir die Asche des Prinzen zur Criminale 2012

  1. Du gibts dann rechtzitig den Lesetipp, wenn eine(r) aus der außerordentlich angenehmen Kollegenschaft die sauerländische Klorecherche in einen formidablen Lustmord unter Kegelbrüdern umwandelt…

    • Nur für den Fall, dass Du nicht warten willst, Wassily: Unter der Riesenzahl von Krimianthologien gibt’s inzwischen auch schon „Mördchen fürs Örtchen“ Der Titel ist zwar unsäglich, die Herausgeberin ist aber sehr gut und es sind eine Menge hervorragender KollegInnen dabei.

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