Criminale-Rückschau Teil 3: Lobpreis der KollegInnen

Nachdem ich mich in meinem letzten Eintrag zur Criminale etwas auf- und danach erst wieder abregen musste und damit nun diese Rückschau beendet ist, bevor wir schon wieder ans Kofferpacken zur Criminale 2013 in Bern denken, kommen wir schnell noch einmal zu den erfreulichen Themen des Festivals zurück und lobpreisen hemmungslos:

(Falls jemand noch an den Ordnungskriterien der vergangenen Blogeinträge zur Criminale hängen sollte, wäre das jetzt Punkt: D.) Zu preisen sind natürlich die diesjährigen Träger des Friedrich-Glauser-Preises. Für mich (und viele andere)  der wichtigste Krimipreis für deutschsprachige Literatur, denn er wird von den Autorinnen und Autoren selbst vergeben.

Die komplette Liste als Leseempfehlung findet mensch auf der Preisträger-Seite der Krimiautorenvereinigung „Syndikat“. Hier seien stellvertretend drei erwähnt:
Michael Theurillat. Der Schweizer Ex-Banker machte in der Königsklasse „Bester Roman“ mit seinem Krimi „Rütlischwur“ (Ullstein) das Rennen und hätte ganz locker auch noch den Preis für die beste Dankesrede mitgenommen, wenn es ihn denn gäbe.
Und dann Nina George. 2011 ihre Erzählung „Das Spiel ihres Lebens“ für die von Rebecca Gablé und mir herausgegebene Fußball-Frauen-WM-Anthologie „Scharf geschossen“ (KBV-Verlag) zu lesen, war für mich ein unvergessliches Erlebnis. Die Story um den Mord an der nigerianischen Slum-Fußballerin Precious Lee ist untertrieben einer der besten Kurzkrimis, die ich je gelesen habe. Nina hat die „Schwarze Hand“-Trophäe des Glausers mehr als verdient.
Und schließlich Thomas Przybilka, der 1989 das „Bonner Krimi Archiv Sekundärliteratur“ BoKAS begründete und als das Hirn der deutschen Krimi-Szene gilt. Höchste Zeit, ihm für seine unglaubliche Kärrnerarbeit, die in mittlerweile 56 Zusammenfassungen aktueller Literatur über Wesen und Unwesen der Kriminalliteratur Ausdruck fand und der wir Kenntnis über so schöne Titel wie diesen verdanken: Die Visualität der Teilsysteme. Intersubjektivität der Wahrnehmung visueller Symbole am Beispiel einer TATORT-Filmreihe“, den Ehrenglauser zuzusprechen.

Auf die Schilde dieser Krimiwelt gehoben wurde Angela Eßer – acht Jahre lang eine von drei SprecherInnen des Syndikats. Zum Abschied trällerten bei der samstagvormittäglichen Vollversammlung 240 AutorInnen die Stones nach (und Gott weiß, dass EßerAngela das unbedingt mehr verdient hat als weiland MerkelAngela) und der kbv-Verlag schenkte ihr das Buch „Die Akte Angela. Ende einer Dienstfahrt“ mit 38 Angela-Kurzkrimis von solchen Heroen wie Jacques Berndorf, Friedrich Ani, Jürgen Alberts, Ingrid Noll und und und.  Ich durfte auch mitspielen und habe in „Give me four“ erzählt, was in Angelas Sprecherzeit mit Leuten geschehen konnte, die ihre Jahresspende nicht entrichteten (kurz gesagt, es ging um Fragen der Ehre und der freiwilligen Hergabe diverser kleiner Finger).

Zum Ende dieser Rückschau: Mein persönliche literarische Neuentdeckung der Criminale 2012: Der österreichische Kollege Bernhard Aichner, der die Ermittler-Figur Max Broll geschaffen hat, einen Totengräber mit Stil und heiligem Zorn und Unbesonnenheit und bösem Humor und einer Lakonie, die in angemessener Weise auf dem schmalen Grat zur Lebensweisheit entlanggrantelt. Ich habe „Für immer tot“, den zweiten Band der Max-Broll-Reihe, gelesen und dabei an drei Abenden hemmungslos alle angemessenen Einschlafzeiten gerissen. Offiziellere und qualifiziertere Jubelarien berufener Krimirezensenten sind auf Bernhards Internetpräsenz zu finden. Viel Spaß beim Lesen!

Advertisements

Ein Gedanke zu „Criminale-Rückschau Teil 3: Lobpreis der KollegInnen

  1. Pingback: Bowler? Topp! Ohne Hut geht nichts! « Hoeps & Toes

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s