Acht Jahre Hoeps & Toes – Die Ernte im Bild

Bei unserer Lesung unlängst im niederländischen Posterholt bot sich ein veritabler Flügel an, dem Publikum die deutschen und niederländischen Ausgaben unserer Romane auf repräsentative Weise vor Augen zu führen. Setzt man noch die jüngst von uns herausgegebene Anthologie Schmugglerpfade / Over de Grens sowie die beiden Mord-am-Hellweg-Anthologien hinzu, in denen wir jeweils mit einer gemeinsam geschriebenen Story vertreten sind, zeigt das Bild die Ernte von acht Jahren grenzüberschreitender Zusammenarbeit, bzw. sieben Jahren, wenn man die Veröffentlichungsdaten nimmt.
Wenn nur alles in Europa so gut, produktiv und freundschaftlich liefe … (wobei jetzt natürlich die WM beginnt, aber das regeln Hoeps & Toes intern…)

Hoeps-Toes-Ernte

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Kostenloser Hoeps & Toes in Thailand

Auch diese Ente aus Tinguely's "Märchenrelief" spielt eine Rolle in einer unserer liebevoll ausgestalteten "Mordinstallationen" in "Nach allen Regeln der Kunst". Zu sehen im Lehmbruck-Museum Duisburg.

Auch diese Ente aus Tinguely’s „Märchenrelief“ spielt eine Rolle in einer unserer liebevoll ausgestalteten „Mordinstallationen“ in „Nach allen Regeln der Kunst“. Zu sehen im Lehmbruck-Museum Duisburg.

Sonderangebot! Nur für den Fall, dass sich gerade jemand in jener Ecke der Welt aufhalten sollte oder bereit ist, sich für ein besonderes Schnäppchen einige Kilometer fortzubewegen: Im Internetcafé des Anda Lanta Resort in Ko Lanta, Krabi Thailand, darf man dank eines freundlichen Bookcrossers ab sofort ein kostenloses Exemplar unseres Romans „Nach allen Regeln der Kunst“ mit nach Hause nehmen.

Die herzliche Empfehlung des geneigten Vor-Lesers: „Spannender Kunst-Krimi, mörderischer Künstler verarbeitet Menschen in Installationen. Habe das Buch im Urlaub an einem Tag komplett gelesen, sehr spannend.“

Die Musik zum Buch: Soundtrack für „Nach allen Regeln der Kunst“ – Teil 1

Schon vor Wochen angekündigt, kommt hier nun also endlich der erste Teil des kommentierten Soundtracks zu unserem Roman „Nach allen Regeln der Kunst“. Alle drei Hoeps&Toes-Romane sind wie schon gesagt immer auch als Einladung gedacht, über eine vollkommen subjektive und stilistisch ganz weit gefasste Musikauswahl in ein schier unglaublich großes, un(er)fassbares und und atemberaubendes Meer an Sound einzutauchen.

Von unseren beiden Hauptfiguren Micky Spijker und Robert Patati ist es im wesentlichen Robert, für den ein Leben ohne Musik unvorstellbar wäre und der sich immer wieder Mühe gibt, den richtigen Song zum passenden Augenblick auszuwählen. Ich bin mir gar nicht sicher, ob Micky überhaupt Musik hört, abgesehen davon, dass ich ihr einmal eine klasse CD von Regina Spektor untergeschoben habe. Sollte sie außerhalb unserer Bücher heimlich Musik hören, wäre sie jedenfalls wohl wie ihr Schöpfer Jac. Toes ein Tango-Afficionado. Aber davon habe ich wiederum leider keine Ahnung.

Aber nun zu dem, was es in „Nach allen Regeln der Kunst“ zu hören gibt. Wir fangen ganz leicht und locker an …

… in Kapitel 1:
„Robert nahm noch einen schnellen Espresso in der Doshi-Bar, stieg in sein Auto und suchte in dem CD-Chaos auf dem Beifahrersitz etwas Ruhiges, Chillendes, bis er die Funky-Plüsch-Compilation fand und damit bestens gegen den Feierabendverkehr gewappnet war.“

Kein Wunder, dass Robert ein wenig entspannen möchte. Immerhin hatte er im Mönchengladbacher Museum Abteiberg gerade eine recht unerfreuliche Begegnung mit einer Frauenleiche, die der Mörder dort in einer wundervollen Kunstinstallation der Amsterdamer Künstlerin Mathilde ter Heijne platziert hatte.
„Funky Plüsch“ ist eine Serie von Compilations, die der deutsche DJ Gärtner der Lüste (na ja, über Namen sollte man nicht streiten) zusammengestellt hat. Roberts Ausgabe „Fly me to the moon“ aus dem Jahr 2005 enthält den gleichnamigen großartigen Sixties-Song von Julie London. Aber ebenso cool ist der smooth return mix von „Hip Hip Chin Chin“, dargeboten vom „Club des Belugas“.

Der Mensch lebt natürlich nicht vom Chillen allein. Ab und zu muss auch mal Tacheles geredet, bzw. im Musikbereich natürlich gespielt werden. Und davon ist die Rede…

… in Kapitel 3:
„Sobald Zollgebäude, Autobahn und der freie Tritt aufs Gaspedal vor ihnen lagen, tippte Patati auf Play. Katja zuckte zusammen. Eine schmutzige E-Gitarre setzte mit der Rhythmusabteilung drei kurze, schnelle Ausrufezeichen, ein Sänger ließ ein Uh-Uh-Uh direkt aus seinen Hüften über die Stimmbänder schießen und Robert begann laut mitzusingen: »Ich fühl mich gut. Fühl mich wieder wie neunzehn – young blood!«
»Das ist doch lächerlich«, rief Katja über die Musik hinweg.
»Nein, das ist Max Herres Zu elektrisch. Das geilste Jimi-Hendrix-Stück, seit Jimi Hendrix tot ist.«“

Da hat er wieder mal ganz recht, der Robert, auch wenn seine Lust auf eine möglichst laute Performance nicht nur dazu führt: „Die Außenspiegel zitterten im Rhythmus von Schlagzeug und Bass.“, sondern zu Katjas Ärger auch dazu: „Patati wollte gerade auf seine seriöse Erscheinung zu sprechen kommen, als eine Grenzschützerin auf die Straße trat und sie mit einer Kelle rauswinkte.“
Zu elektrisch“ ist ein großartiger Gitarrenkracher auf Max Herres erstem Soloalbum 2004. Manche finden den Ex-Freundeskreisler Max Herre ja deswegen doof, weil er die Silben manchmal bis zum Sprachfehler verschleift. Aber erstens ist das auf seinem ebenso empfehlenswerten zweiten Album „Ein geschenkter Tag“ schon viel weniger stark zu hören, und zweitens hat er einfach so verdammt viel Soul wie kaum ein anderer deutscher Sänger – und das will ja mal was heißen.

Bleiben wir in deutschen Landen.

In Kapitel 7 …
… will Robert unbedingt zu einem Konzert von „Furiosef“, schafft es aber natürlich nicht:

„ Als er das Auto abschloss, war es Viertel nach acht. In diesem Augenblick würden die beiden Musiker von Furiosef als Volksmusikdödel auf Klompen in die Viersener Musikknei- pe einmarschieren und keine zehn Minuten brauchen, um das Publikum mit ihren verjazzten Volksliedern in Begeisterung zu versetzen.“

Das ist nun mal ein echter Niederrheintipp. Hinter “Furiosef“ stecken die beiden Musiker Manfred Heinen (Piano, Akkordeon) und Markus Türk (Trompete und allerlei andere Blasinstrumente). Was die beiden bieten ist allerfeinste Musikcomedy, aber sie spielen auch „Der Mond ist aufgegangen“ als so Chet-Baker-Preis-würdige Jazzballade, dass ich mir jedesmal verstohlen ein paar Tränen aus den Augen wischen muss.
Als Quintett heißt das ganze übrigens „Furiosity“ und vervollständigt wird der furiopolische Kosmos durch einen lateinamerikanische Ableger namens „Los campesinos furiosos“.

In Kapitel 9 …
… fährt Robert wieder einmal Auto mit Katja und das geht natürlich trotz der unglücklichen Erfahrung am deutsch-niederländischen Grenzübergang nicht ohne Musik:

„Um kurz vor halb sieben ließ sich Robert mit einem Stoß Kopien auf den Beifahrersitz von Katjas Audi fallen und beugte sich als Erstes zum CD-Player. Seine Hand hielt kurz vor einer gelben Haftnotiz inne. Chief only!!! stand da mit dickem rotem Filzstift geschrieben.
»Ich bin froh, dass du es endlich einsiehst«, sagte er grinsend, zog Róisín Murphys Ruby Blue aus der Manteltasche und schob sie in den Schacht. »Kuriose Sounds für einen kuriosen Abend.«
»Hast du ein Glück, dass ich die mag«, knurrte Katja.“

Róisín Murphy ist als Teil des Electronica-Duos „Moloko“ ziemlich erfolgreich gewesen. 2005 veröffentlichte sie dann ihr erstes Solo-Album „Ruby Blue“, eine völlig versponnene CD mit verrückten Sounds und Loops, extrem klasse Bläsersätzen und natürlich ihrer sensationell ebenso sinnlichen wie vielseitigen Stimme. Anspieltipps sollte man als verantwortlicher Soundtrack-Redakteursdilletant nicht nennen, weil jeder Song ein einzigartiges und sich unterscheidendes Kleinod ist. Aber wenn man mich persönlich fragt: Bei „Through Times“ geht mir das Herz scheunentorweit auf, bei „Ramalama (Bang Bang)“ treffen Burlesque und Sklavenschiffrhythmik so zusammen, dass man eigentlich nur noch grinsend einen eigenartigen 20er Jahre-Dschungeltanz tanzen kann, „Ruby Blue“ ist ein musikalisches Mini-Drama par excellence und „The closing of the doors“ ist eine der traurigsten und schönsten Trennungsballaden ever (schluchz!).

Mit melancholischer Stimmung soll Teil 1 des Soundtracks nicht enden und darum noch ein Blick auf …

… Kapitel 13
„Robert war um Viertel vor zwei am Mönchengladbacher Polizeipräsidium und parkte den Wagen an der Tankstelle gegenüber. Er suchte auf dem Display der iPod-Steuerung nach einem Song, der gut zu seinen Erinnerungen an den Vormittag im Lehmbruck-Museum passte. Er entschied sich für Tesko Suicide, einen alten Song von Sneaker Pimps, dessen Rhythmus ihn an Mickys Po erinnerte. Das war ein Anfang. Vielleicht etwas reduziert, aber immerhin ein Anfang.“

Der Beginn einer wunderbaren Romanze ist Roberts erste (na ja eigentlich zweite) Begegnung mit der Polizeiprofilerin Micky Spijker im Arnheimer Polizeipräsidium. Dort verabreden sie sich zu einem natürlich rein beruflichen Ortstermin im Duisburger Lehmbruckmuseum, der dann Roberts Fantasie ganz offenkundig heftig angefeuert hat.
Man sollte ihm trotzdem nicht vorwerfen, dass er bei „Tesko Suicide“ an Mickys Hintern denkt. Es liegt einfach an diesem trip-hoppigen Bass-Drum-Beat, der mit wohlgesetzten Breaks recht aufreizend hin und her schwingt, und natürlich an dieser zwischen leichter Zickigkeit und mädeliger Keckheit changierenden Stimme der Sängerin Kelli Dayton, von der sich die „Sneaker Pimps“ später besser nicht hätten trennen sollen (aber darüber werden von Fans Glaubenskriege geführt).

Aber Mensch, dieser Soundtrack-Beitrag sollte doch nicht mit Sätzen über Trennungen enden. Also: Vorschau auf Teil 2!

Demnächst auf diesem Sender: Lou Reed, The Cure, Swinger Band und viele andere mehr. Don’t miss it!